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Hochzeiten - Liebe auf Kurz & Ewig

Die Crux der kurzen Hochzeit ist, wenn sie am Wochenende statt findet. Auf einigen Websiten von den Kollegen & Kolleginnen wird sogar schriftlich darauf hingewiesen, dass nur dann Hochzeiten angenommen werden, wenn sie an den Wochenenden für mindestens 5 Stunden gebucht werden. Ich kann das durchaus nachvollziehen, denn die Hochzeitssaison ist und bleibt das brummende & florierende Hauptgeschäft von Hochzeitsfotografen, die damit ihre finanzielle Gegenwart und Zukunft zu sichern versuchen. 

 

Andererseits gibt es Fotografen/innen, die lieber gar keinen Finger krumm machen, anstatt für 200-500€ für ein paar Stunden Bilder zu machen und weiterhin auf den großen Fang warten, was ich persönlich absolut nicht verstehen kann. Eine Gratwanderung und Balance-Akt für jedermann, der so eine denkweise hat. Lieber wird dann davon gesprochen man sei komplett ausgebucht, um eine psychologische Verknappung und Preissteigerung zu erzwingen.

Doch kann man eine Reportage über eine Hochzeit machen, die nur 1-2 Stunden geht? Mache ich es des Geldes wegen und blockiere kleine Hochzeiten ab, nur um auf größere zu hoffen? Meine Antwort ist ein klares  JA & NEIN! Die Reportage beschreibt letztendlich nichts anderes als eine Dokumentation über eine aktuelle Geschichte, die sich zu einer bestimmten Zeit bei bestimmten Personen zuträgt. Dabei ist die Zeit völlig irrelevant. Wer in 60 Minuten keine spannende Geschichte oder atmosphärische Momente entdecken kann, sollte letztendlich überlegen, ob die Reportagefotografie das Richtige ist. Es gibt viele magische Momente und die liegen meist in Momenten, die nicht mal den Hauptakteuren gelten brauchen, sondern viel mehr der gesamten Szenerie, dem Drumherum. Sogar das Licht an sich schreibt seine Geschichten sekündlich neu. 

 

Denn, sind wir ganz ehrlich, wer wirklich ein/e so leidenschaftliche/r Fotograf/in ist, der/die schaut auch nicht über die kleinen, unlukrativen* Hochzeiten hinweg.

 

 

*überspitzt gesagt

Vor einigen Wochen hatte ich eine Hochzeit, wo ich 2-3 Stunden Fotos in Brandenburg a. d. Havel gemacht habe. Auch bei mir stellte sich vorher die Frage, ob ich für die kurze Zeit wirklich anreisen soll und ob man für so kurze Zeit als Reportagefotograf wirklich in Frage kommt. Die Hochzeit war an einem Freitag und ich überlegte schon, ob ich nicht einfach spontan eine Fahrradtour von Berlin bis nach Brandenburg a.d. Havel unternehmen soll. Zum einen ist es umweltfreundlicher und zum anderen: 

Wäre da nicht noch eine Hochzeit für den  darauffolgenden Samstag in Jerichow reingekommen. So war ich doch relativ gezwungen das Auto zu nehmen, um gleich weiter nach Seehausen zu fahren, um dort bei meinen Eltern zu nächtigen und am nächsten Tag keinen Berliner Fahrstress zu haben.

 

Als ich am Freitag in Brandenburg a.d. Havel ankomme, ist die Stimmung super, was eventuell auch daran liegt, da ich einige Leute samt Brautpaar aus der alten Heimat Seehausen kenne. Somit fällt das Aufbauen zwischenmenschlicher Beziehungen schon mal weg. Es sind um die 35 Leute und damit eine sehr überschaubare Gruppe anwesend. Jeder kennt sich und die Emotionen sind von der ersten Sekunde da. Es gibt aus fotografischer Sicht nichts schöneres, wenn viele Emotionen im Spiel sind. So soll es an dem Tag der Tage auch sein.

Natürlich kommt es immer auf das Paar und die Hochzeitsgesellschaft an. Man kann wahrlich das Pech haben, dass es eine schweigsamme Gesellschaft ist (aus welchen Gründen auch immer). Da hilft es aber locker an die Sache heranzugehen. Man sollte nicht den Clown spielen, aber dennoch die Situation analysieren und den Leuten zuhören und dann gezielt auf Dinge eingehen, um das Eis zu brechen. Hier werde ich in Zukunft noch deutlicher in einem Blog über die zwischenmenschliche Interaktion eingehen.

 

Schafft man es nicht, das Eis zu brechen, so hilft gerne das Teleobjektiv. Wenn sich Leute innerhalb der Gesellschaft unterhalten und ein paar lustige Geschichten raushauen, so sind ein paar Fotos mit authentischen Lachern garantiert. Dafür habe ich mir letztes Jahr das Canon 135mm 2.0 L USM zugelegt. Ich nutze das gerne vor der Trauung, wenn sich die Leute versammeln. So kann man aus guten Abstand Fotos schießen, die trotzdem eine gewissen Nähe und Verbindung zum Zuschauer (letztendlich dem Brautpaar) suggerieren. Am Ende des Tages will man fröhliche Fotos mit gutgelaunten Menschen. Und da man in den zwei Stunden nicht viel Zeit hat, kommt es wirklich auf jeden Moment an. Man ist durchaus wachsamer & innerlich unentspannter bei den kurzen Hochzeiten, da der Zeitplan auch auf das Wichtigste beschränkt ist. Es macht trotzdem Spaß und so ist aus einer kurzen Hochzeit manchmal mehr an Emotionen herauszuholen als bei einer Hochzeit, die über einen Tag hinweg geht (auch, wenn ich das zum Glück noch nicht erlebt habe. Alle waren super.)

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